Stickstoffkreislauf im Aquarium: Ammonium, Nitrit, Nitrat
Der Stickstoffkreislauf ist das unsichtbare Herz jedes Aquariums. Wer ihn nicht versteht, kämpft früher oder später mit Algen, kränkelnden Fischen oder plötzlichen Totalverlusten. Dabei lässt sich das System mit etwas Geduld und den richtigen Tests erstaunlich gut kontrollieren. Entscheidend sind drei Verbindungen: Ammonium, Nitrit und Nitrat. Sie bestimmen, wie viele Tiere ein Becken überhaupt verkraftet.
Ammonium entsteht ständig durch Futterreste, Kot und abgestorbene Pflanzenteile. Schon geringe Konzentrationen reizen die Kiemen der Fische, ab etwa 0,5 mg/l wird es kritisch. Filterbakterien wandeln Ammonium zunächst in Nitrit um. Nitrit ist der gefährlichste Stoff im Kreislauf, denn es blockiert den Sauerstofftransport im Blut. Bereits 0,3 mg/l können einen Besatz innerhalb weniger Stunden töten. Wer sein Aquarium neu startet, sollte deshalb unbedingt wissen, wie man ein Becken einfährt, ohne die Tiere diesem Risiko auszusetzen. In der Einfahrphase ohne Fische bauen sich die Bakterienkulturen in Ruhe auf, und der Nitritwert steigt und fällt, bevor überhaupt ein Fisch im Wasser schwimmt.
Aus Nitrit entsteht schließlich Nitrat, das deutlich weniger giftig ist. Es reichert sich jedoch mit der Zeit an und dient dann als Nährstoff für Algen. Regelmäßige Teilwasserwechsel von 30 bis 50 Prozent pro Woche halten den Wert im Zaum. Als Faustregel gilt: unter 20 mg/l bleiben, bei empfindlichen Arten sogar unter 10 mg/l. Wer diese Grenzen kennt, kann den Besatz Schritt für Schritt erweitern, statt alles auf einmal einzusetzen. Ein zu schneller Zuwachs überfordert die Bakterienkulturen und lässt Ammonium und Nitrit wieder ansteigen.
Die Besatzdichte hängt also nicht von der Beckengröße allein ab, sondern von der Leistungsfähigkeit des Filters und der Menge an Futter, die täglich ins Wasser gelangt. Wer sparsam füttert, regelmäßig testet und den Kreislauf geduldig aufbaut, hält ein stabiles System. Kontrolle statt Aktionismus lautet die Devise. Dann bleiben Ammonium und Nitrit dauerhaft unnachweisbar, und Nitrat lässt sich über Wasserwechsel und Pflanzen leicht regulieren.